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Dezember 6, 2011 / bjsinterception

Nikolausgruß & Weihnachtsgeschichte

Hallo Ihr Lieben dort draußen,

 

Ich wünsche Euch allen einen fröhlichen Nikolaustag und reichlich gut gefüllte Stiefel!

Als kleines Geschenk für Euch, poste ich heute eine Geschichte, die ich zum letzten Weihnachtsfest geschrieben habe. Ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk für mich war es letztes Jahr, dass die Geschichte sogar in der Presse veröffentlich wurde:

 

Abgedruckte Fassung

Ich hoffe, dass sie auch Euch ein wenig gefällt! Hier ist sie:

 

 

Eine Offenbarung über die Selbstliebe

 

Dezember. Vorweihnachtszeit. 24 Tage Zeit für Festtagsvorbereitungen, nur um am letzten – am 24. Tag – pünktlich zur Abendstunde neben dem geschmückten Tannenbaum zu sitzen und einander zu beschenken. Zumindest war es im Leben von Louise jedes Jahr der gleiche Ablauf gewesen.

Sie erinnerte sich daran, wie ihre Eltern in der Vorweihnachtszeit losgelaufen waren, um eifrig Geschenke zu kaufen. Zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Vater hatte sie den Baum geschmückt, während ihre Mutter in der Küche gestanden und das abendliche Mahl zubereitet hatte. Niemand aus Louises Familie war je christlichen Glaubens gewesen, doch Weihnachten war in ihrer Familie immer geachtet worden. Für sie war Weihnachten stets mehr gewesen, als das Feiern der Geburt Jesus Christi. Es bedeutete Frieden, Gemeinsamkeit, Liebe.

Wenn Louise die Augen schloss, war es ihr, als könnte sie noch immer den Duft der frischen Tannennadeln und der Plätzchen riechen. Es waren schöne Erinnerungen an ihre Kindheit, die sie ein warmes Gefühl in ihrem Herzen spüren ließen, wann immer sie daran dachte. Doch dieses Gefühl war trügerisch, denn es war nicht rein. Es wurde durchzogen von dem faden Beigeschmack einer Traurigkeit, die sie sich in manchen Momenten nur schwer erklären konnte.

Louise war jetzt 56 Jahre alt. Sie fühlte sich nicht alt, doch trotz all der Menschen um sie herum, kam sie sich zeitweilen ziemlich allein vor. Ihre Eltern waren tot, ihr Bruder war mit seiner Familie fortgezogen und sie blieb als einzige zurück an dem Ort, an dem sie geboren wurde und der für sie nach wie vor der Inbegriff des Wortes Heimat war. Gewiss, Louise hatte im Laufe der Zeit viele Freunde gewonnen. Sie verbrachte Weihnachten oft in ihrem Kreis, in dem sie mehr als herzlich willkommen war. Sie war ein fröhlicher Mensch und es war ihr nie schwergefallen, neue Bekanntschaften zu schließen. So verstand sie sich mit den Alten, sowie mit den Jungen. Kinder liebte sie ganz besonders. Umso trauriger machte es sie, dass sie unfruchtbar war. Die Diagnose hatte sie vor gut zwanzig Jahren wie ein Blitz getroffen und nicht nur sie, auch ihr Mann war bestürzt gewesen. Letzterer hatte sich vor gut zwei Jahren von ihr getrennt, um mit einer Jüngeren eine Familie zu gründen.

Nun, am späten Abend des 24. Dezembers, lag Louise unter der warmen Federdecke in ihrem kuschligen Bett. Der Raum war leicht erhellt vom Schein der Weihnachtsbeleuchtung an ihrem Schlafzimmerfenster. Wenn ihre Eltern sie damals zu Bett gebracht hatten, so hatten sie stets die Weihnachtslichter brennen gelassen. Es hatte Louise gefreut, denn die herrlichen Lichter hatten ihre kleine Kinderwelt in strahlende Wärme getaucht. Bei dem Gedanken daran, musste sie unweigerlich schmunzeln.

Sie dachte auch an Annie und Luke, die beiden Nachbarskinder, denen sie jedes Jahr zu Weihnachten Plätzchen buk und für die sie dieses Jahr kleine beleuchtete Sterne gekauft hatte, die sie voller Freude an die Fenster ihrer Kinderzimmer gehangen hatten. Ihre strahlenden Gesichter waren so wunderhübsch anzusehen gewesen. Louise mochte die beiden sehr. Selten hatte sie solch fröhliche und höfliche Kinder kennengelernt. Sie wirkten aufgeweckt, wann immer Louise sie traf. Ganz anders war es mit den Kindern im Heim. Seit ihrem 28. Lebensjahr war Louise jeden Sonntag in die Einrichtung gegangen, um ihnen vorzulesen. Am Vormittag erst war sie wieder dort gewesen, um mit ihnen Weihnachtslieder zu singen und ihnen ein paar Märchen zu erzählen. Ihr Geld reichte nicht aus, um allen von ihnen Geschenke zu kaufen, doch sie wusste, dass allein ihre Liebe ein Geschenk war, das die kleinen Kinderseelen erhellte.

Louise hatte an diesem Weihnachtstag Kinder glücklich gemacht, ihre Freunde feierlich beschenkt und friedlich mit ihnen das Fest der Liebe gefeiert. Auch ihr hatte man Geschenke gemacht. Sorgfältig ausgewählte Geschenke, die ihr voller Liebe überreicht worden waren. Und dennoch: Sie fühlte noch immer wie dieser kleine Fleck Traurigkeit ihr Herz verdunkelte als sie schließlich – müde und erschöpft von dem langen Tag – einschlief.

In der Nacht war es Louise, als würde leise Musik an ihr Ohr dringen. Im ersten Moment dachte sie an die Kirchenglocken, doch als sie wacher wurde und sie wieder in der Lage war, klare Gedanken zu formen, schalt sie sich selbst. Wieso um alles in der Welt sollten zu solch nächtlicher Stunde die Glocken läuten? Fast schon wollte sie ihre Wahrnehmung als Traum abtun, als sie das merkwürdige Gefühl beschlich, nicht allein zu sein. Zaghaft bewegte sie sich im Bett und richtete sich auf. Was sie erblickte, als sie ihre Augen öffnete, überstieg ihre kühnsten Erwartungen.

Louise fand ihr Schlafzimmer erfüllt von einem Licht, das schöner war, als alles, was sie zuvor gesehen hatte. Zwar konnte sie die Quelle dieses Lichtes nicht ausfindig machen, doch es gab ihr ein unbeschreiblich warmes Gefühl. Nie zuvor – selbst im Schoß ihrer Eltern – hatte sie sich so geborgen gefühlt. Ihr Verstand begann zu rauschen und es dauerte eine scheinbare Ewigkeit, bevor sie eine sanfte Stimme vernahm, die dreimal hintereinander ihren Namen rief. Das Sonderbare daran war, dass Louise das Gefühl hatte, die Stimme weniger an ihren Ohren als direkt in ihrem Kopf zu vernehmen.

„Louise, es ist alles gut. Fürchte dich nicht.“

„Wer bist du?“

„Ich bin gekommen, um dich von deiner Traurigkeit zu erlösen.“

Louise lauschte auf. Wie konnte das sein? Woher wusste diese… dieser… dieses… was auch immer es war, von ihrem Geheimnis? Sie hielt dieses Gefühl tief in ihrem Inneren verborgen, hatte es nie jemandem anvertraut.

„Fürchte dich nicht, Louise. Ich kenne deine Gefühle, so wie ich deine Gedanken kenne. Doch ich bin nicht gekommen, um dir etwas Böses zu tun. Im Gegenteil: ich möchte dir helfen.“

„Mir helfen? Wobei?“, hörte sich Louise laut in den Raum fragen und ihr selbst blieb der zittrige Tonfall ihrer Stimme nicht unbemerkt. Die Antwort erreichte sie prompt:

„Ich möchte dir helfen, dich selbst zu lieben.“

„Mich selbst zu lieben?“

„Ja. Louise, du hast so viel für die Menschen, die du liebst, getan.“

Bescheiden, wie sie war, konnte Louise die Stimme nicht weiter zu ihr sprechen lassen, ohne zu protestieren.

„So viel war es doch nicht und ich habe eine Menge zurückbekommen!“

„Oh ja, das hast du,“ erwiderte die Stimme sanft, „doch du hast auch sehr viel gegeben. Viel mehr sogar, als du vielleicht siehst. Und glaube mir: dies ist gut. Es ist gut, deinen Lieben zu geben. Doch es ist auch wichtig, dass du dir erlaubst, zu empfangen.“

„Ich habe die Geschenke von heute dankbar angenommen“, warf Louise erneut ein.

„Das weiß ich. Und dies ist gut so. Es spielt keine Rolle, was du gibst und was du bekommst. Viel wichtiger als etwas Materielles ist die Liebe, die die Menschen teilen. Egal was du gibst, zu geben bedeutet immer, dies in Liebe zu tun. Auch wenn es manchmal schwerfällt und ihr Menschen nicht immer gern gebt, euch manchmal sogar dazu gezwungen fühlt, so ist das Gefühl, das euch dazu bringt doch immer Liebe. Ein schlechtes Gewissen resultiert ebenso aus Liebe. Denn die Liebe in euch weiß um das Gleichgewicht des Universums: das Gleichgewicht von Gut und Böse, das Gleichgewicht von Liebe und Schmerz, das Gleichgewicht von Geben und Nehmen. Gott, wie immer ihr ihn in eurer Religion nennen mögt, die Quelle, aus der wir alle stammen, ist reine Liebe. Nie würde sie euch mehr Schmerzen aufbürden, als ihr ertragen könntet. Nie würde sie euch mehr nehmen, als sie euch gibt. Ihr seid es selbst, die euch zum Opfer eures Schmerzes und eures Verlustes macht, denn manchmal seid ihr von beidem so geblendet, dass ihr euch selbst nicht mehr kennt. Ihr seid Liebe und könnt nur in Liebe miteinander existieren. Deswegen berührt es euch, wenn ihr von Unrecht erfahrt und deswegen macht es euch traurig, wenn ihr euch ungeliebt fühlt. Aber ihr vergesst bei all eurem Durst nach Liebe eines: ihr müsst euch in erster Linie selbst lieben. Daher bin ich gekommen, dir das Geschenk der Offenbarung über die Selbstliebe zu geben.“

„Selbstliebe?“, wiederholte Louise etwas verdutzt. „Was meinst du? Meinst du, ich würde mich selbst nicht genug lieben?“

„Louise, meine liebe kleine Louise… Ich liebe dich, so wie ich all deine Brüder und Schwestern liebe. Wir alle tun dies.“

„Bist du ein Engel?“

„Ja, Louise. Das bin ich. Tief in deinem Inneren hast du von unserer Existenz gewusst. Du musst keiner Religion angehören, um uns um Hilfe zu bitten, oder an uns zu glauben. Wir sind für euch Menschen da, egal ob ihr an uns glaubt, oder nicht. Doch ihr seid Wesen des freien Willens. Das bedeutet, dass ihr uns bei all euren Belangen um Hilfe bitten müsst, denn sonst bleibt uns die Erlaubnis verwehrt, euch zu helfen.“

„Was aber meinst du damit, wenn du sagst, du willst mir etwas über Selbstliebe offenbaren?“

„Ihr Menschen, so auch du Louise, ihr liebt euch selbst oftmals nicht genug. Dies ist der Grund, warum ihr euch so nach Geborgenheit sehnt. Euch verlangt es nach Aufmerksamkeit, nach liebevollen Gesten anderer, weil ihr euch selbst nicht genug liebt. Bei vielen von euch hat eurer Selbstbewusstsein gelitten. Viele von euch haben Verletzungen erlebt, die ihr in euch herumtragt. So auch du, Louise. Ich weiß von deiner Unzufriedenheit mit dir selbst, von dem Drang nach Perfektion, den du verspürst. Ich weiß, dass du so sein möchtest, wie du denkst von den Menschen um dich herum noch mehr geliebt zu werden. Und ich weiß, dass dieses Verlangen aus Sehnsucht nach Liebe in dir brennt.“

Als sie die sanften Worte des Engels vernahm, bemerkte Louise, wie ihre Sicht von einem Schleier aufkommender Tränen verschwamm. Die Worte trafen sie ins Herz, denn sie konnte nicht umhin zuzugeben, dass der Engel recht hatte. Zwar wusste sie nicht, wie es den Menschen um sie herum erging, doch was sie anging, hatte der Engel ihre tiefsten Emotionen gelesen als habe er ihr direkt ins Herz geblickt. Es stimmte: sie liebte ihre Mitmenschen und sie handelte aus Liebe, doch das Gefühl der ewig in ihr schlummernden Traurigkeit resultierte daraus, dass sie tatsächlich immer mehr Liebe in ihr Leben ziehen wollte. Ganz gleich, wie sehr sich ihre Freunde um sie bemühten: es schien nie genug. Und es stimmte auch, dass sie gern vollkommener wäre, um von immer mehr Menschen geliebt zu werden. Ständig plagten sie Zweifel, ob sie in ihrem Leben alles richtig machte.

„Louise, du bist nicht die einzige, die so empfindet. Du verdienst das Gefühl, vollkommen geliebt zu werden, so wie auch alle deine Brüder und Schwestern es verdienen. Und ihr verdient es, so geliebt zu werden, wie ihr seid. Ihr wurdet nicht gemacht, um Perfektion zu suchen, denn ihr seid bereits perfekt. Ihr alle unterscheidet euch, doch ihr alle seid Liebe und Liebe kann niemals schlecht sein. Ihr müsst lernen zu erkennen, wie viel ihr Wert seid. Erst, wenn ihr wieder lernt, euch selbst zu lieben, werdet ihr vollkommen glücklich sein. Wenn ihr euch selbst liebt, dann seid ihr stark. Ihr werdet erkennen, dass ihr nicht mehr so traurig seid, wenn ihr einmal keine Geste der Liebe durch andere erfahrt. Wenn ihr euch selbst liebt, dann lernt ihr wieder zu vertrauen. Dann vertraut ihr in euch, in eure Mitmenschen und das Leben selbst und eure Ängste werden sich auflösen. Wir Engel möchten euch dabei helfen, wieder mehr Liebe in eurer Leben zu bringen und dazu gehört die Selbstliebe. Deswegen komme ich in dieser Nacht zu euch Menschen, Louise. Um eurer selbst willen möchte ich, dass du und alle anderen noch heute damit anfangen, sich selbst zu lieben. Euer Weihnachtsfest ist eine schöne Tradition. Es bringt euch so viel Liebe und ist ein guter Anlass, euch diese Liebe gegenseitig zu zeigen. Doch ihr braucht diese Liebe das ganze Jahr über. Liebt eure Mitmenschen, eure Tiere, eure Pflanzen, doch liebt vor allem auch euch selbst.“

Louise lauschte aufmerksam den Worten des Engels, der in dieser heiligen Weihnachtsnacht zu ihr gekommen war. Diese, von dem Engel sogenannte Offenbarung, leuchtete ihr ein. Sie dachte, noch lange nachdem der Engel gegangen war, darüber nach, bis sie in einen tiefen Schlaf fiel.

Als sie am nächsten Morgen erwachte, fragte sie sich, ob ihre Erinnerung ihr einen Streich spielte. Doch seltsamer Weise hatte sie noch immer der Gefühl, in dieser Nacht ein unendliches Ausmaß an Geborgenheit erfahren zu haben. Ob ihr wirklich ein Engel erschienen war, konnte sie nicht mit Sicherheit sagen, doch der Versuch, sich selbst ein kleines bisschen mehr zu lieben, konnte nicht schaden, nicht wahr?!

 

– Ende

 

Besinnliche Weihnachtszeit - einer meiner Kater & mein Weihnachtsbaum 2009

 

Fröhlichen Nikolaus Euch allen!!!

 

Eure J.

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  1. Fabio / Dez 21 2011 1:50 am

    Netter Post. Bestimt keine schlechte Sache, sich mit dem Thema detailierter auseinander zusetzen. Werde gewiss weitere Artikel im Auge behalten.

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